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Lebenskraft ArtikelDie Lebenskraft (lat. vis vitalis) genannt die in dem Vitalismus angenommenen sogenannten nicht materiellen Kräfte, die den belebten Naturkörpern zusätzlich zu chemischen und physikalischen Gesetzmäßigkeiten eigen sein sollen.
Buch-Tipp: Der Schatten in uns. Die subversive Lebenskraft. Möglichkeiten zur Persönlichkeitsentfaltung Die Auseinandersetzung mit dem eigenen Schatten - dem ungelebten Leben in der eigenen Seele - ermöglicht dem Leser, mehr Tiefblick für die eigenen, noch untentwickelten Persönlichkeitsanteile zu finden. Viele Dinge, die unseren Erziehern oder Eltern fremd waren, die jedoch in der noch weitgehend freien... Zur Definition und Erklärung der Idee der Lebenskraft | |
Als Lebenskraft werden geistige oder seelische Steuerinstanzen genannt, die den geordneten und koordinierten Ablauf der am lebenden Organismus vonstatten gehenden Prozesse bewirken sollen. Die Einführung einer Lebenskraftins Vokubular der Biologie ist so alt wie die wissenschaftliche Beschäftigung mit den Erscheinungen des Lebens. Sie hat zunächst ihren Grund im Bestreben, die augenfällige Besonderheit des Lebendigen gegenüber dem Unbelebtem hervorzuheben und begrifflich zu fixieren.
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Die antike Wurzel der Lebenskraftlehren: das Pneuma und die Entelechie | |
Hippokrates ersann in dem 5. Jahrhundert vor der Zeitrechnung ein durchaus materialistisch deutbares Pneuma, auf dessen Wirkungen alle Lebenserscheinungen zurückgehen sollten (so etwa, wie der Sauerstoff eine der Grundbedingungen des Lebens ist). Aristoteles begründete eine bis in die Neuzeit wirkende vitalistische Lebenslehre, deren zentraler Begriff eine angenommene Lebenskraft, die Entelechie, bildete.
Er verband die biologischen Grundprobleme der Zeugung, Befruchtung und Keimesentwicklung mit den idealistischen Begriffen Dynamis (d.h. die Möglichkeit des Stoffes, etwas zu erleiden) und Entelechie ( als die formende, verwirklichende, den Stoff prägende Kraft). Der Begriff Entelechie wurde zu dem Modell aller späteren Lebenskraftkonzeptionen (siehe Aristotelismus).
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Die Wiederentdeckung der Lehre der Entelechie in dem Mittelalter | |
Nach der Wiederentdeckung der Lehren des Aristoteles in dem 12. und 13. Jahrhundert und ihrer kirchlichen Sanktionierung beherrschte Aristoteles' Vitalismus die Anfänge der wissenschaftlichen Biologie bis in das 16./17. Jahrhundert(bei A. Cesalpini, K. Gesner, W. Harvey). Harveys "opifex" (1651) und der "archeus" von J. B. van Helmonts waren neue Worte für Aristotles' Entelechie, sie standen jedoch nicht mehr in dem Mittelpunkt der wissenschaftlichen Arbeit.
Mit der Begründung der mechanisch-materialistischen Lebenstheorien durch Rene Cartes , G. A. Borelli und F. Sylvius Mitte des 17. Jahrhunderts setzte der fast 300 Jahre währende Streit zwischen Vertretern materialistischer und idealistischer Lebenslehren ein. Herausragende Vertreter des Vitalismus in dem 17. / 18. Jahrhundert waren Georg Ernst Stahl, der einen Dualismus von "Materien" und "seelischen Aktivitäten" vertrat, A. von Haller, der der Irritabilitätsforschung die folgenreiche These von der biologischen Eigengesetztlichkeit entnahm, C. F. Wolff, dessen "vis essentialismus" die Keimesentwicklung leiten sollte, und J. F. Blumenbach, der das Formbildungsproblem über den "nisus formativus" genannten Bildungstrieb erklären wollte.
Buch-Tipp: Gesundheit, Vitalität und langes Leben. Der Weg zur unerschöpflichen Quelle der Lebenskraft Ein wenig schwafelig Ich habe Meditiontechniken kurz und knapp in ungefähr 2 h bei einem Lehrer gelernt. Dieses Buch hat mir geholfen, den Hintergrund dazu etwas näher kennenzulernen. Der Autor schreibt aber etwas weitscheifig, da mir der gesamte Inhalt mündlich in etwa 2 h erklärt werden konnte, und greift bei den Beispielen aus anderen Bereichen... |
Zur naturphilosphischen Deutung der Idee der Lebenskraft | |
F. W. J. von Schelling, J. Ch. Reil, G. R. Treviranus, L. Oken u.a. entwickleten zu Beginn des 19. Jahrhunderts naturphilosophische Systeme, in denen der Lebenskraftbegriff weniger auf konkrete biologische Leistungen als auf grundsätzliche Naturgegebenheiten bezogen war. (z.B. Schellings Panvitalismus, Treviranus' Lebensstoff-Theorie). Neue Impulse erhielt die Lebenskraftlehre durch den einflußreichen Physiologen J. Müller, der das ideale Prinzip des Lebens in der sinn- und zweckerfüllten Form erblickte, in die er die physiologischen Abläufe hineindeutete (siehe Physiologischer Idealismus.
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Der Rückgang der Lebenskraftlehren Mitte des 19. Jahrhunderts | |
Die Annahme eines an sich existierenden Bauplans wurde für den Lebensbegriff besonders der sogenannten idealistischen Morphologie sowie der Entwicklungsphysiologie grundlegend. Der Aufschwung der experimentellen Forschung Mitte des 19. Jahrhunderts führte zu einem rapiden Rückgang der Lebenskraftspekulationen. Dazu trug wesentlich E. du Bois-Reymond, E. Brücke, W. Pflüger u.a. sowie die erkenntniskritischen Studien H. Lotzes (1842) bei.
Buch-Tipp: Lebenskunst als Lebenskraft. Vom schöpferischen Umgang mit der Freiheit Die Beschreibung für das Buch " Lebenskunst als Lebenskraft. Vom schöpferischen Umgang mit der Freiheit" fehlt leider. Weitere informatione finden Sie auf der Seite des Buchhändlers. Klicken Sie dafür auf den Link über diesem Text. Die Seite des Händlers öffnet sich in neuem Fenster. |
Zur Wiederbelebung der Lebenskraftidee in dem 20. Jahrhundert | |
Die Wiederbegründung des Labenskraftbegriffs um die Wende des 19. / [[20. Jahrhundert]s basierte auf experimentellen Ergebnissen der Entwicklungsphysiologie tierischer Organismen. Besonders die auf Ganzbildung gerichteten Regulationsleistungen entwicklungsgestörter Keime, sowie die durch neuartige Experimente erkannte typische Ordnung, Lokalisation und Auslösung biologischer Prozesse konnten von den Ende des 19. Jahrhunderts in der Entwicklungsbiologie vorherrschenden mechanisch-materialistischen Leittheorien (W. Roux, W. Weismann ) nicht erfaßt und erklärt werden.
Neben einer Vielzahl verschiedenartiger vitalistischer Deutungsversuche (J. Reinke, G. Wolff u.a.) war es besonders Hans Driesch, der einen Faktor E (abgeleitet aus Entelechie) zur Erklärung der Ganzheitsleistungen der Keimbildungsprozesse einführte (1899) und zu einem durchdachten vitalistischen System aufbaute. In Anlehnung an Driesch erlebten die Lebenskrafttheorien in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine gewisse Blüte (u..a in dem Holismus, Organizismus , Mnemismus, Organologie).
Buch-Tipp: Lebenslust und Lebenskraft Wirklich lesenswert! Beim Durchstöbern meines Lieblingsbuchladens ist mir dieses Buch in das Auge gesprungen und hat mich spontan angesprochen, sodass ich es gleich mitgenommen habe.
Als ich das Buch dann zuhause durchgeblättert habe, hat es mich sofort gepackt und ich habe es ziemlich schnell zu Ende gelesen.
Kein typisches Ratgeberbuch, das im... |
Zur Ausbildung verschiedenster philosophischer Interpretationen der Lebenskraftidee | |
Dabei wird die Lebenskraft jeweils unterschiedlich bestimmt und "lokalisiert". So wird der nichtmaterielle Faktor in naturwissenschaftlich bedeutsamen Merkmalen des Lebendigen nachzuweisen versucht (Drieschs Entelechie in der "prospektiven Potenz" der Keimzellen; das Ganhzheitsprinzip des Holismus) oder aber in bestimmten philosophsichen Interpretationen verschiedener Grund Merkmale der belebten Materie (Henri Bergsons "élan vitale", Reinkes Dynamismus, A. Gurwitschs Feldtheorie, G. WolffAbsichtstrebigkeit u.a.), in vom Einzelnen gelösten und verselbständigtem Allgemeinem (Baupläne J. v. Uexkülls, C. Herbsts), in der Übertragung der Materie-Bewußtsein-Relation auf die organischen Einheiten generell (O. Feyerabends Allbeseelung, A. Wenzels Psychovitalismus), in psychologischen und tierpsychologischen Analogien und Deutungen (F. J. J. Buytendijk, M. Maeterlinck, E. N. Marais), in der Idealisierung bestimmter komplizierter Anpassungsverhältnisse ( E. Bechers "fremddienstliche Pflanzengallen"), schließlich in der volkstümlichen Form der "Wunder des Lebens".
Buch-Tipp: Qigong Yangsheng. Chinesische Übungen zur Stärkung der Lebenskraft. Gute Einführung - oder Erinnerung Dr. Jiao Guroi ist einer der grundlegenden Verbreiter des medizinisch angewendeten Qigong gewesen und hat sich sehr bemüht, die chinesischen Verfahren an den Lebensalltag der westlichen Lebens- und Arbeitswelt anzupassen.
Das vorliegende Buch nimmt entsprechende Übungen aus den acht Brokaten, dem Pfahl, dem... |
Zur Reduktion des Wesens der biologischen Erscheinungen in der Lebenskraftlehre | |
All diesen Lebenskrafttheorien ist die Trennung und metaphysische Entgegensetzung von materiellem Substrat und Bewegunsgesetz eigen. Dadurch wird die wissenschaftlich legitime Frage nach der biologischen Eigengesetzlichkeit von vornherein auf einige idealistische Grundzüge reduziert.
Grundbegriffe wie Ganzheit, Regulation und Potenz erhalten eine Sonderstellung zugewiesen, werden als Begriffe verselbständigt. Der Begriff für eine Leistung(Ganzheit) wird für die Leistung selbst gehalten. Darüber hinaus trennen die vitalistischen Theorien das Einzelne vom Allgemeinen (vergleiche "Baupläne"), die Form für die Funktion. Der vitalistischen Interpretation der biologischen Feldtheorien (bei Gurwitsch) liegt ein substantieller Materiebegriff zugrunde.
Die erkenntnistheoretische Wurzel der neueren Lebenskraftauffassungen liegt demnach in der Unkenntnis der Zusammenhänge bei der theoretischen Verarbeitung komplizierter, teilweise noch ungenügend experimentell aufgehellter Sachverhalte des ontogenetischen Entwicklungsgeschehens. Die Lebenskraftkonzeptionen sind seit Aristoteles aus der Entwicklungsbiologie heraus motiviert worden. Die moderne Entwicklungsphysiologie hat die Probleme der Regulation und Ganzheitsbildung sowie die später von H. Spemann hinzugefügte Organisationsproblematik schrittweise experimentell gelöst und damit den vitalistischen Lebenskraftspekulationen die Grundlagen entzogen.
Heute sind Lebenskraftlehren ca. noch Bestandteil religiös-idealistischer Naturlehren, jedoch nicht mehr in dem Blick- und Diskussionsfeld der biologischen Theorie.
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